Deutsche Ausgabe 2008 by Panini Verlags GmbH,
Rotebühlstraße 87,70178 Stuttgart.
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Titel der amerikanischen Originalausgabe:
„Star Wars: Republic Commando: True Colors“ by Karen Traviss,
A Del Rey ® Book, published by The Random House Publishing Group.
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PROLOG
Mygeeto, Outer Rim, Tresorräume der Dressian Kiolsh
Handelsbank, 470 Tage nach der Schlacht von Geonosis
Die Zeit läuft uns davon.
Die Zeit läuft uns davon, und zwar uns allen.
„Sarge …“ Scorch sieht sich die Sicherheitsverriegelung der Tresorluke
mit dem abschätzenden Blick eines Experten an, der das Unknackbare
knackt. Dazu habe ich ihn ausgebildet: Er ist der Beste.
„Sarge, das hier ist es, weswegen wir gekommen sind. Aber warum
rauben wir eine Bank aus?“
„Du raubst sie nicht aus. Ich raube sie aus. Du machst nur eine Tür
auf.“ Hier geht’s um Gerechtigkeit. Und die Separatisten um ihren
Reichtum zu erleichtern, hält sie schließlich auch davon ab, ihn für
Waffen auszugeben. „Und ich bin jetzt Zivilist.“
Kommt mir allerdings nicht so vor. Delta ist immer noch meine
Schwadron. Ich würde nicht so weit gehen wie Kal Skirata und sie meine
Jungs nennen, aber … Jungs sind sie schon.
Scorch ist ungefähr zwölf Jahre alt. Außerdem ist er vierundzwanzig,
gemessen daran, wie viel seines Wegs zum Tod er bereits zurückgelegt
hat, und das ist die einzige Definition, die für mich zählt. Ihm läuft die
Zeit schneller davon als mir. Die Kaminoaner haben die Klon-Commandos
der Republik so entwickelt, dass sie schneller altern, und wenn ich
sie mir als die kleinen Kinder vorstelle, dir mir das erste Mal begegneten,
bricht es mir das Herz – ja, selbst mir. Das letzte bisschen Gefühl in
mir hat mein Vater nicht abtöten können.
Scorch platziert Schaltkreisstörer an den Verriegelungen um den
Türrahmen, einen nach dem anderen, um die Systeme durchschmoren
zu lassen und ein Fehlsignal zu erzeugen, das den Alarm glauben lässt,
alles sei in bester Ordnung. Für einen Moment verharrt er regungslos,
den Kopf geneigt, während er das Heads-Up-Display in seinem Helm
abliest.
„Was ist da drin, Sarge?“
Ich stehle nicht, um mich zu bereichern. Ich bin kein gieriger Mann.
Ich will nur Gerechtigkeit. Verstanden? Meine mandalorianische Rüstung
ist schwarz. Und Schwarz ist die traditionelle Farbe der Gerechtigkeit.
Beskar’gam-Farben besitzen fast immer eine Bedeutung.
Jeder Mando, der mich sieht, weiß sofort, welche Mission ich im Leben verfolge.
„Ein Teil meines Erbes“, antworte ich. „Vater und ich waren uns
nicht einig, was meine Karriereplanung betraf.“
Gerechtigkeit für mich, Gerechtigkeit für die Klon-Truppen, benutzt
und weggeworfen wie Papierservietten.
„Dann gehen die Drinks also auf Sie“, meint Boss, Deltas Sergeant.
„Hätten wir gewusst, dass Sie reich sind, hätten wir Sie früher angehauen.“
„Reich war. Mit ’nem halben Credit als Erbe.“ Ich habe ihnen nie etwas
über meine Familie oder meinen Titel erzählt. Ich glaube, der Einzige,
dem ich es erzählt habe, war Kal, und danach konnte ich mir auch
gleich die volle Ladung seines Klassenkampfgeredes anhören.
Sev, Deltas Scharfschütze – im Moment ziemlich schweigsam, was
Missfallen bedeuten könnte, oder auch nicht – hält seinDC-17 Gewehr
auf die verlassenen Korridore gerichtet, die von dem Labyrinth aus
Schließfächern und Lagerräumen fortführen, in denen der Reichtum
und die Geheimnisse der Reichsten und Mächtigsten der Galaxis, einschließlich
meiner Familie, liegen.
Fierfek, ist das still hier drin. Die Korridore bestehen nicht aus Eis,
aber sie sind glatt und weiß, und ich werde den Eindruck nicht los, dass
sie direkt aus diesem gefrorenen Planeten gehauen wurden. Dadurch
fühlt es sich hier drin gleich zehn Grad kälter an.
„Auf drei“, sagt Scorch. „Ich würde ja immer noch einen großen
Knall bevorzugen. Drei, zwei … eins.“ Ich weiß, dass er grinst, Helm
hin oder her. „Rums, Schepper, Klirr.“
Die Riegel geben still nach und öffnen sich der Reihe nach: Klack,
Klack, Klack. Kein Alarm, keine Abwehrmaßnahmen, die unsere Köpfe
rollen lassen, keine Wachen, die mit Blastern angerannt kommen.
Die Tresortüren rollen zurück und bringen Reihe um Reihe von polierten
Durastahlschließfächern zum Vorschein, erhellt von dürftigem,
grünem Licht. Dazwischen stehen reglos zwei Sicherheitsdroiden, ihre
Schaltkreise sind genauso gestört wie jedes andere Schloss hier drinnen.
Ihre Waffenarme hängen starr herunter.
„Und?“, fragt Fixer über Comlink. Er ist einen Kilometer weiter weg,
oben an der Oberfläche, und kümmert sich um den Schneegleiter, den
wir benutzen werden, um von Mygeeto abzuhauen. Er bekommt die
Icon-Bilder all unserer Helmsysteme, aber er ist trotzdem ungeduldig.
„Was ist denn drin?“
„Die Zukunft“, antworte ich. Seine Zukunft ebenfalls, hoffe ich.
Als ich die Türen der Schließfächer öffne, glitzert es darin, oder es
raschelt oder … riecht merkwürdig. Ist eine ganz schöne Sammlung.
Boss schlendert herein und fischt ein kleines, goldgerahmtes Bild heraus,
das er schon, wer weiß wie lange nicht mehr, bei Tageslicht gesehen
hat. Die drei Commandos starren es einen Augenblick lang an.
„Was für eine Verschwendung von Credits.“ Scorch, der nie den
Wunsch nach mehr als einer anständigen Mahlzeit und etwas Schlaf
geäußert hat, überprüft die Droiden und stupst sie mit der Sonde an, die
an seinem Gürtel befestigt ist. „Sie haben Zeit bis zur nächsten Patrouille,
um rauszuschaffen, was Sie brauchen, Sarge. Beeilen Sie sich lieber.“
Wie ich schon sagte, uns läuft die Zeit davon, ein paar von uns
schneller als anderen. Zeit gehört zu den Dingen, die man nicht kaufen,
erpressen oder stehlen kann, wenn man mehr davon braucht.
„Raus hier, macht schon.“ Ich gehe den Gang entlang, der von unvorstellbaren
Reichtümern gesäumt ist: seltene, kostbare Metalle, unauffindbare
Creditchips, unbezahlbare Juwelen, Antiquitäten, Industriegeheimnisse,
Erpressungsmaterial. Gewöhnliche Credits sind nicht
das Einzige, das die Galaxis am Laufen hält. Die Kiste der Familie Vau
ist hier. „Ich sagte wegtreten, Delta.“
Boss weicht nicht von der Stelle. „Sie können das nicht alles allein
rausschaffen.“
„Ich kann genug rausschaffen.“ Ich kriege einen Fünfzig-Kilo-
Packen hoch, vielleicht nicht so leicht wie junge Männer, aber ich bin
motiviert, und das rasiert meinem Alter die Jahre nur so runter. „Weggetreten.
Verzieht euch. Sofort. Das hier ist mein Problem, nicht
eures.“
Hier drin ist eine Menge Kram. Wird länger dauern, als ich dachte.
Zeit. Man kann sie einfach nicht kaufen. Also muss man zugreifen,
wo man kann.
Ich fang mal damit an, mir das hier zu greifen.
Hört zu, alles, was ich weiß, ist das: Die Seps können nicht so viele
Droiden haben, wie der Nachrichtendienst behauptet – das haben wir
gesehen, als wir ihre Fabriken sabotiert haben.Wenn sie irgendwo zig
Millionen von denen hätten, warum dann nicht die Republik überrennen
und fertig? Und wo wir schon dabei sind, warum hört der Kanzler
nicht auf die Generäle und radiert die separatistischen Hauptziele aus,
statt den Krieg in die Länge zu ziehen und unsvomCore bis zu den Rims
immer weniger werden zu lassen? Und zu dem ganzen Mist kommt noch die Nachricht
von Lama Su, in der er sich darüber beklagt, dass der
Klon-Vertrag in ein paar Jahren ausläuft – das stinkt doch alles. Und
wenn etwas derart stinkt, nehmen wir unsere Beine in die Hand, denn
es sind unsere Shebse, die auf dem Spiel stehen. Verstanden?
– Sergeant Kal Skirata zu den Null-ARCs, im Gespräch über die Zukunft
angesichts neuer Geheiminformationen, die sie bei ihrer unautorisierten
Infiltration von Tipoca City 462 Tage nach Geonosis gewinnen konnten
Hilfsschiff der Republik Core Conveyor, unterwegs nach Mirial,
eingeschifft: Luftlandetruppen (212. Batallion) und Omega
Squad, 470 Tage nach Geonosis
„Nett, dass ihr euch uns anschließt“, sagte Sergeant Barlex und
umfasste dabei mit einer Hand das Geländer im Hangar des Kriegsschiffes.
„Darf ich der Erste sein, der bemerkt, dass ihr wie ein Haufen
absoluter Vollidioten ausseht?“
Darman wartete bis Niner Barlex gesagt hatte, wohin er sich seine
Meinung schieben könne, ging aber nicht auf die Stichelei ein, sondern fuhr fort,
das ungewohnte, geflügelte Jetpack anzupassen. Es
war nur die übliche Großmäuligkeit, die damit einherging, sich gegenseitig
vor einer Mission Angst einzujagen und anzuspornen. Gut, das
Standardpack der Sky-Trooper saß nicht besonders bequem auf der
Katarnrüstung der Republic Commandos, aber was die Landegenauigkeit
anging, schlug es trotzdem den Gleitschirm. Darman hatte lebhafte
und sehr schmerzliche Erinnerungen an die späte Schirmöffnung
beim Notabsprung auf Qiilura, die nicht im Ziel geendet hatte, es sei
denn, man rechnete Bäume dazu. Ihm machte ein Paar weißer Flügel
also nichts aus – auch wenn es sich um das schlimmste angeschraubte
Modul in der Geschichte der Großen Armee der Republik handelte.
Fi aktivierte seinen Flügelmechanismus, und die zwei Blätter schwangen
mit einem Zischen der Hydraulik in eine horizontale Position, wobei
sie beinahe Barlex’ Gesicht trafen. Fi lächelte und fuchtelte mit seinen
Armen herum. „Willst du mal sehen, wie ich einen Geonosianer
mache?“
„Wie jetzt? Als ein Haufen Käfermatsch auf den Boden klatschen,
nachdem ich ’ne Salve durch dich durchgejagt habe?“, entgegnete
Barlex.
„Du bist immer so streng.“
„Ich bin immer so Sergeant, Private …“
„Hättet ihr uns nicht wenigstens welche in Mattschwarz besorgen
können?“, fragte Fi. „Ich möchte nur ungern mit schlecht passendem
Zubehör in den Tod springen. Was würden dann bloß die Leute denken?“
„Ihr nehmt weiß und mögt es gefälligst!“ Barlex war führender
Unteroffizier der Parjai Squad, der Luftlandetruppen, und bekannt für
höchst riskante Missionen, die Captain Ordo „weitreichende Durchsetzungskraft“
nannte. Die Neuerung, Spezialeinheiten zu unterstützen,
war inzwischen deutlich ausgeleiert. Barlex drückte Fis Flügel wieder
in die geschlossene Position und runzelte die Stirn. „Was soll’s. Ich
dachte, ihr Jungs wärt wiedergeborene Mandalorianer. Mit Jetpacks
müsstet ihr euch doch wie zu Hause fühlen.“
„Kommst du hinterher mit nach Hause für ’n Kaffee und ’n Kuchen?“
Barlex blieb todernst. „Der Befehl lautet, überflüssiges Material und
anderen unnützen Ballast, also euch, abzuwerfen und dann unsere
Überlebenschancen noch einmal zu verringern, indem wir zu einem
Schwätzchen mit den Seps auf Mirial vorbeischauen.“
Fi zog die sorgenvolle Nummer ab, beide Handflächen ans Kinn gelegt.
„Wird jetzt diese Mando-Sache zwischen uns stehen, Liebster?“
„Nur dass ich die Ironie zu schätzen weiß, dass wir irgendwo ein
paar Mando-Söldner bekämpfen werden.“
„Dann halte ich dich wohl besser von Sergeant Kal fern …“
„Ja, tu das“, erwiderte Barlex. „Dank denen hab ich zehn Brüder
verloren.“
Klon-Trooper mochten in der Lage sein, „Vode An“ zu singen, aber
es war offensichtlich, dass das stolze mandalorianische Erbe nicht bis
zu allen Rängen durchgesickert war. Darman beschloss, Skirata nichts
davon zu sagen. Es würde ihn kränken. Er wünschte, alle von Jango
Fetts Klonen würden ihr Seelenheil im Manda finden, wenn sie sich
nur ihrer einzigen, zerbrechlichen Wurzeln besännen. Barlex’ Feindseligkeit
würde ihm das Herz brechen.
Es wurde wieder still im Raum. Darman spannte seine Schultern an
und fragte sich, wie Geonosianer mit Flügeln zurechtkamen: Schliefen
sie auf dem Rücken, oder hingen sie wie Falkenflügler über Kopf? Bisher
hatte er das Ungeziefer nur in Bewegung oder tot gesehen, also
blieb es eine weitere unbeantwortete Frage. Davon hatte er jede Menge.
Niner, der immer ein wachsames Auge auf die Stimmung seiner
Schwadron hatte, ging um jeden Einzelnen von ihnen herum, überprüfte
die behelfsmäßigen Sicherungsriemen und zog kräftig an dem
Gurt, der zwischen Fis Beinen verlief. Fi jaulte auf.
Niner warf Fi einen schrägen Blick zu, genau wie Skirata. „Wir wollen
doch nicht, dass irgendwas abfällt, oder Sohn?“
„Nein, Sarge. Jedenfalls nicht, bevor ich die Gelegenheit hatte, es
einzusetzen.“
Niner behielt diesen Blick noch ein Weilchen bei. „Dann also Lagebesprechung
in zehn Minuten.“ Er zeigte auf die Luke und überprüfte
das Innere seines Helms. „Lassen wir General Zey nicht warten.“
Barlex blieb still stehen, so als überlegte er, was er ihnen sagen solle,
zuckte dann aber mit den Schultern und entnahm Niners Fingerzeig,
dass das nun Folgende nicht für seine Ohren bestimmt war. Darman
tat, was er vor jedem Einsatz tat: Er suchte sich eine ruhige Ecke, um
die Kalibrierung seines Anzugs noch einmal zu überprüfen. Atin besah
sich mit kritischem Stirnrunzeln Fis Jetpackklammern.
„Da könnte ich ja eine bessere Befestigung stricken“, murmelte er.
„Meinst du, du könntest es mal optimistisch heiter angehen,
At’ika?, fragte Fi.
Niner schloss sich dem Überprüfungsritual an. Es waren reine Übersprungshandlungen,
aber niemand konnte der Omega Squad vorwerfen,
sie würde die Dinge dem Zufall überlassen. „Das Ding muss ja
nur halten, bis Fi gelandet ist“, sagte er.
Fi nickte. „Das wäre schön.“
Atin stellte den verschlüsselten Holoempfänger, den er in denHänden
hielt, auf die Kante des Schotts zum Nebenraum und sperrte die Luke.
Darmankonnte sich nicht vorstellen, dass irgendein Klon-Trooper ein Sicherheitsrisiko
darstellen könnte, und fragte sich, ob es eine Beleidigung
darstellte, wenn sie wie Zivilisten von einer Missionsbesprechung ausgeschlossen
wurden. Aber sie schienen es desinteressiert und klaglos
hinzunehmen, denn dazu waren sie seit ihrer Geburt ausgebildet worden:
Sie spielten ihre Rolle und die Republic Commandos ebenfalls. Das
war es jedenfalls, was ihnen die Kaminoaner erzählt hatten.
Jedoch war das nicht die ganzeWahrheit. Trooper Corr, letzter Überlebender
seiner gesamten Kompanie, war in eine Brigade für Spezialeinsätze
aufgestiegen und schien sich daran zu erfreuen, mit den Null
ARCs durch die Galaxis zu jagen. Er bildete quasi ein Zweigespann mit
Lieutenant Mereel; sie schienen das Interesse für die Feinheiten von
Sprengfallen zu teilen. Außerdem genossen sie es, das Soziale zu erforschen,
wie Skirata sich ausdrückte, und zwar in jeder Stadt, in die es
sie verschlug.
Corr fügt sich gut ein. Ich wette, sie alle könnten es, wenn man
ihnen die Chance dazu gibt und ihnen zeigt wie.
Darman setzte seinen Helm auf und zog sich in seine eigeneWelt zurück.
Das Comlink hatte er bis auf die Notfallüberbrückung abgeschaltet,
über die seine Schwadron sich einschalten und ihn alarmieren
konnte.Wenn er seine Gedanken treiben ließ, verschwamm die leuch-
tende Anzeige seines HUDs zu den nächtlichen Lichtern von Coruscant,
und er tauchte ein in die kostbare Erinnerung an die kurzen und
verbotenen Tage mit Etain in der Stadt. Manchmal kam es ihm vor, als
stünde sie hinter ihm, und das Gefühl war so stark, dass er über seine
Schulter blicken musste, um nachzusehen. Jetzt erkannte er das Gefühl
als das, was es wirklich war: nicht seine Einbildung oder sein Verlangen,
sondern ein Jedi – seine Jedi – die durch die Macht zu ihm vordrang.
Sie ist General Tur-Mukan. Sie tanzen ganz schön aus der Reihe,
Soldat.
Er fühlte jetzt ihre Berührung, nur ein flüchtiger Hauch von jemandem
neben ihm. Er konnte nichts erwidern: Er hoffte nur, dass, wie immer
die Macht auch funktionierte, sie dadurch wusste, dass er jetzt an
sie dachte. Warum nur sprach die Macht zu so wenigen Wesen, wenn
sie doch universell war? Darman verspürte ein leichtes Stechen der
Abscheu. Die Macht war ein weiterer Aspekt dieser Welt, der ihm verschlossen
blieb, aber wenigstens traf das auf so ziemlich jedermann zu.
Es störte ihn nicht halb so sehr wie die aufkommende Erkenntnis, dass
ihm fehlte, was die meisten anderen besaßen: Wahlmöglichkeiten.
Einmal hatte er Etain gefragt, was aus den Klontruppen werden
würde, wenn der Krieg vorbei wäre – wenn sie gewännen. Verlieren
war undenkbar für ihn. Wohin würden sie gehen? Wie würden sie belohnt
werden? Sie hatte es nicht gewusst. Die Tatsache, dass er es auch
nicht wusste, nährte ein wachsendes Unbehagen.
Vielleicht hat der Senat nicht so weit vorausgedacht.
Fi drehte sich um, hob seinen Helm auf und begann gedankenverloren
und mit nicht sonderlich glücklicher Miene sein Display zu kalibrieren.
Das war der unbeobachtete Fi: nicht witzig, ohne flotten
Spruch auf den Lippen, sondern allein mit sich und seinen Gedanken.
Darmans Helm ermöglichte es ihm, seinen Bruder zu beobachten,
ohne eine Reaktion hervorzurufen. Fi hatte sich verändert, und es war
während der Operation auf Coruscant geschehen. Fi schien etwas zu
beschäftigen, das der Rest von ihnen nicht erkennen konnte. Wie eine
Halluzination, von der man niemandem erzählt, weil man glaubt,
wahnsinnig zu werden. Oder weil man vielleicht fürchtet, niemand
sonst würde es eingestehen. Darman glaubte zu wissen, was es war.
Deshalb redete er auch nie über Etain, ebenso wie sich Atin nie über
Laseema ausließ. Nicht schön für Fi.
Die Antriebe der Core Conveyor liefen mit einer beruhigenden
Frequenz. Darman verfiel in jenen leichten Schlummer, in dem er immer
noch bei Bewusstsein war, seine Gedanken jedoch ohne seine
Kontrolle umherschweiften.
Ja, Coruscant war das Problem. Hier hatten sie alle einen flüchtigen
Blick in ein Paralleluniversum erhascht, in dem die Leute normale Leben
lebten. Darman war schlau genug, zu erkennen, dass sein Leben
nicht normal war – dass er ausschließlich zum Kampf herangezüchtet
worden war – aber sein Bauch sagte ihm etwas völlig anderes: dass es
weder richtig noch gerecht war.
Er hätte sich freiwillig gemeldet, da war er sich sicher. Sie hätten ihn
nicht zwingen müssen. Alles, was er am Ende wollte, war etwas Zeit
mit Etain. Er wusste nicht, was das Leben noch zu bieten hatte, aber er
wusste, dass es eine Menge gab, das er zu Lebzeiten nie erfahren würde.
Seit elf Standardjahren war er auf der Welt und wurde bald zwölf.
Laut Handbuch war er dreiundzwanzig oder vierundzwanzig. Zu wenig
Zeit, um zu leben.
Sergeant Kal sagte, man hätte uns beraubt.
Fierfek, ich hoffe Etain spürt nicht, dass ich wütend werde.
„Ich wünschte, ich könnte wie du einfach dasitzen und entspannen,
Dar“, sagte Atin. „Wie kannst du nur so ruhig sein? Von Kal hast du
das sicher nicht.“
„Ich habe ein reines Gewissen“, entgegnete Darman. Nach all den
Jahren des abgeschiedenen Trainings auf Kamino war es eine Überraschung
für ihn gewesen, dass viele Kulturen in der Galaxis einen
Mörder in ihm sahen, etwas Unmoralisches. „Entweder das oder ich
bin zu müde, um mir Sorgen zu machen.“
Jetzt war er auf dem Weg nach Gaftikar, um weiter zu töten. Die
Alpha ARCs hatte man geschickt, um die örtlichen Rebellen auszubilden,
aber Omega wurde für ein Attentat eingesetzt, um eine Regierung
zu stürzen. Das war nicht das erste Mal und wahrscheinlich auch
nicht das letzte.
„Auf, Leute, es geht los.“ Niner aktivierte den Empfänger. Das blaue
Holobild entsprang dem Projektor, und plötzlich saß der korpulente,
bärtige General Arligan Zey, Leiter der Sonderstreitkräfte, mit ihnen im
Raum.
„Guten Tag, Omega“, grüßte er. So weit es sie betraf, war es mitten
in der Nacht. „Ich habe ein paar gute Neuigkeiten für euch.“
Fi sprach jetzt wieder über das gesicherte Helm-Comlink. Darmans
rotes HUD-Audio-Icon verriet, dass nur er ihn hören konnte. „Was
bedeutet, dass der Rest schlecht ist.“
„Das ist schön, Sir“, bemerkte Niner trocken. „Ist es gelungen, ARC
Alpha-Dreißig ausfindig zu machen?“
Zey schien die Frage zu ignorieren. „Null Sergeant A’den hat sichere
Landungszonenkoordinaten gesendet. Ihr habt die Freigabe reinzugehen.“
Fis Comlink meldete sich wieder in Darmans Ohr. „Jetzt kommt das
Aber …“
„Aber“, fuhr Zey fort, „ARC-Trooper Alpha-Drei-Null ist vermisst.
Er hat sich seit zwei Monaten nicht zurückgemeldet. Das ist an sich
nicht ungewöhnlich, aber der örtliche Widerstand hat Sergeant A’den
berichtet, dass er etwa zur gleichen Zeit ebenfalls den Kontakt verloren
hat.“
A’den gehörte zu Sergeant Kals Null ARCs. Er war drei Standardtage
zuvor entsandt worden, um die Lage einzuschätzen, und wenn er den
vermissten ARC-Trooper nicht finden konnte, war der Mann definitiv
verloren, buchstäblich aus dem Leben geschieden. Darman fragte sich,
was einem ARC wohl zugestoßen sein konnte. Die waren nicht gerade
leicht umzubringen. Die Nulls behandelten ihre Alpha-Brüder wie
Holzköpfe, aber es waren pure Jango Fetts, genetisch unverändert bis
auf das beschleunigte Altern, und von ihm persönlich ausgebildet: harte,
erfinderische, gefährliche Männer. Aber selbst die Besten konnten
Pech haben. Das bedeutete, dass die Ausbildung und Motivierung des
gaftikarischen Widerstands jetzt bei A’den lag.
Darman hoffte, es würde am Ende nicht sein Job werden. Alles, woran
er denken konnte, war, wie lange er dort festsitzen und wann er
Etain vielleicht wiedersehen würde. Geschmuggelte Briefe und Comlinksignale
reichten nicht aus.
Was könnten sie uns antun? Was, wenn jemand dahinterkommt?
Darman konnte nicht sagen, wie schwer die Große Armee oder der
Jedi-Rat ihm und Etain das Leben machen konnten. Es bestand auch
die Möglichkeit, dass er sie niemals wiedersehen würde. Er war sich
nicht sicher, ob er damit fertig werden könnte. Er wusste, dass sie seine
einzige Kostprobe des wahren Lebens war.
„Wir fangen also von vorn an, General?“, fragte Niner.
Zeys Schreibtisch war auf dem Holobild nicht zu sehen, aber er
nahm offenbar daran Platz und warf einen Blick über die Schulter, als
ob jemand den Raum betreten hätte. „Nicht ganz. Die Milizen der Rebellen
sind tüchtig, aber sie brauchen immer noch etwas Hilfe bei der
Destabilisierung der Regierung von Gaftikar. Und sie benötigen Ausrüstung
wie die Deezes, die wir abwerfen.“ Zey hielt inne. „Nicht das
ganze Spektrum natürlich.“
„Sieht aus, als würden wir ihnen blind vertrauen, Sir …“
„Eine oder zwei unserer Hilfsaktionen sind nach hinten losgegangen,
Sergeant, das gebe ich zu. Hat keinen Sinn, sie übermäßig aufzurüsten,
nur damit sie die Seiten wechseln und dann das ganze Material
gegen uns einsetzen. Das hier reicht völlig.“
„Irgendwelche generellen Informationsupdates über Gaftikar?“
„Nein. Tut mir leid. Ihr werdet die Lücken selbst füllen müssen.“
„Zahlen?“
„A’den berichtet von circa einhunderttausend ausgebildeten Mann
bei den rebellischen Truppen.“
Darman blinzelte, um die Datenbank seines HUDs zu aktivieren,
und überprüfte die geschätzte Bevölkerungszahl von Gaftikar. Eine
halbe Milliarde; Hauptstadt Eyat; Bevölkerung fünfhunderttausend.
Quoten wie diese war er inzwischen gewohnt.
„Nun, zumindest war Alpha-Dreißig während seines Aufenthalts
fleißig, Sir“, sagte Niner.
„Die Rebellen sind recht gut in der Weitergabe der Ausbildung. Sie
trainieren zehn, die trainieren wieder jeweils zehn und so weiter.“
„Haben Sie angesichts der begrenzten Zahlen jemals daran gedacht,
die gesamte GAR auf diese Weise einzusetzen, Sir? Der Krieg wäre
sehr viel schneller zu Ende.“
„Darin liegt eine Strategie, ich weiß …“ In letzter Zeit lag in Zeys
Stimme immer dieser Ton, der ihn beschämt oder verlegen klingen
ließ. Niemand brauchte zu fragen, ob dies die Art sei, auf die er die
Dinge angehen wollte. Es war einfach eine weitere Direktive des Kanzlers
auf dessen Liste mit Nehmt-diesen-Planeten-ein-und-kommt-mirnicht-
mit-Entschuldigungen-Befehlen. „Aber alles, was ihr tun müsst,
ist die Leitung der Verwaltung in Eyat auszuschalten. Der Rest ergibt
sich. Also bereitet das Kampfgebiet vor. Mobilisiert die Rebellen.“
Tut, was ihr könnt, Jungs, denn ich kann keine weiteren Männer
entbehren, um euch zu helfen. Toll …
„Verstanden“, sagte Niner. Manchmal hätte Darman gern die Geduld
seines Sergeant gehabt. „Omega Ende.“
Zey musste von niemandem daran erinnert werden, wie dünn gesät
die Streitkräfte der GAR aufgestellt waren, besonders die Spezialeinheiten.
In allen möglichen Disziplinen bildete man jetzt reguläre Truppen
für Commando-Einsätze aus: Die GAR verfügte über weniger als
fünftausend Republic Commandos. Ungenügend kam der Sache nicht
einmal nahe. Es war ein Witz. Darman wartete, bis Niner sich mit einem
überraschend flüchtigen Salut abmeldete und die Verbindung beendete
– ganz und gar nicht der sonst so übereifrige Niner. Noch nie
hatte er der Schwadron gegenüber seine Frustration so deutlich gezeigt.
Vielleicht wäre die Republik mit Droiden doch besser dran. Die
scheren sich nicht drum, was mit ihnen passiert.
Und sie verlieben sich nicht.
„Ich werde versuchen, es von der positiven Seite zu sehen, das ist
schließlich mein Job“, meinte Fi. „Das letzte Mal, als wir ohne ausreichende
Info und in völlig unzureichender Zahl im Feindgebiet eingesetzt
wurden, haben wir viele interessante neue Freunde kennengelernt.
Vielleicht bin ich ja dieses Mal der Glückliche.“
Darman ignorierte die Anspielung auf Etain. „Die Rebellen von Gaftikar
sind nicht dein Typ, Fi. Es sind Echsen.“
„Das sind Falleen auch.“
„Ich rede von Echsen Echsen. Koffern auf Beinen.“
„Aber es gibt auch Menschen …“
„Optimist.“
Niner wechselte das Thema mit untypischer Sanftmut. „Komm
schon, wir werden immer ohne ausreichende Infos eingesetzt.“ Er hatte
Fi schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesagt, er solle die Klappe halten,
so als hätte er jetzt Mitleid mit ihm. „Das ist nun mal der Lauf der
Dinge. Okay, die Deckel auf. In zwanzig Minuten sind wir über Eyat.“
Der Frachthangar der Core Conveyor war eine kahle Halle mit einer
erhöhten Luftschleuse an einem Ende. Sie war ein bewaffneter Frachter,
einer von vielen, der von der Handelsflotte abkommandiert worden
war – „am freien Markt requiriert“ und daher mit dem Spitznamen
AMRis versehen – und nur dazu gebaut, Fahrzeuge und Güter zu
transportieren. Manchmal allerdings auch Personen, die dann diskret
dort abgeladen wurden, wo man sie brauchte. Darman überlegte, worin
die Fracht wohl zu Friedenszeiten bestanden haben mochte. Wie
die kleinen Verkehrs-Interventions-Schiffe wahrte es für geheime
Operationen den Schein eines zivilen Schiffes. Amris konnten über
Planeten eingesetzt werden, bei denen Schiffe der Acclamator-Klasse
die falsche Art der Aufmerksamkeit erregt hätten.
Der Hangar war voll mit Speeder Bikes und Kisten. Darman bahnte
sich seinen Weg hindurch und folgte Atin zu den Hangartoren, an denen
der Lademeister in seiner gelb gekennzeichneten Pilotenrüstung
Kisten auf Repulsoren zur Rampe steuerte und in einer Reihe aufstellte.
„Deezes“, sagte der Lademeister, ohne von seinem Datapad aufzusehen.
„Ein paar E-Netz-Blaster und noch so’n albernes Riesenteil.“
„Wie viele Es?“, fragte Atin.„
„Fünfzig.“
„Mehr ist nicht drin?“
„Wir bewaffnen sie jetzt schon ein Jahr lang. Ist nur zum Aufstocken.“
Der Lademeister schien zufrieden, dass die Lieferung komplett
war, und sah die Commandos skeptisch an. Dann hakte er seine
Sicherheitsleine in die der Reling, die am Schott entlang verlief.
„Wenn’s euch tröstet: So total in Schwarz seht ihr echt böse aus. Sogar
mit den weißen Flügeln. Ich würde euch nie für einen Haufen
überbewerteter, Mando-vernarrter Spinner halten …“
Fi verbeugte sich. „Mögen all Eure zukünftigen Einsätze mit den Galactic
Marines mit aufgemotzten Einzelheiten gesegnet sein, ner’vod.“
Nur Atin konnte die Dinge nie mit einem Witz abtun. „Was ist dein
Problem, Kumpel?“
„Ich denke nur laut“, erwiderte der Lademeister.
„Denkst was?“
„Mandos. Schon mal gegen die Jungs gekämpft? Ich schon. Die
tauchen immer mal wieder unter den Sep-Truppen auf. Sie legen uns
um. Und ihr wurdet als brave, kleine Mando-Jungs großgezogen.
Habt ihr das Gefühl, dass ihr das seid?“
„Sagen wir’s mal so“, entgegnete Fi. „Ich fühle mich nicht als Bürger
der Republik, und das ist auch keiner von uns, falls es noch nicht
aufgefallen ist. Wir existieren nicht. Keine Stimme, keine Identifikationsdokumente,
keine Rechte.“
Niner stupste Fi in den Rücken. „Eins-Fünf, Klappe. Lademeister,
zieh den Kopf ein und stell unsere Loyalität nicht infrage, sonst muss
ich dir eine verpassen. Und jetzt an die Arbeit.“
Es war das erste Mal, dass Darman spürte, wie das Gefühl der Bruderschaft
unter den Klonen – allen Klonen, ungeachtet der Einheit – ins
Wanken geriet. Die Luftlandetruppen hatten offensichtlich ein Problem
mit den Mandalorianern, und die Nächstbesten, an denen sie es
auslassen konnten, waren vielleicht die Republic Commandos – aufgezogen,
ausgebildet und unterrichtet von mandalorianischen Sergeants
wie Skirata, Vau und Bralor. Er fand, es war ein schlechtes Omen für
die Mission. Sergeant Kal wäre darüber sehr verärgert gewesen.
Die Core Conveyor flog jetzt tief genug, um durch die Bullaugen die
Landschaft erkennen zu können. Auf dem HUD-Icon mit Niners Sichtfeld
konnte Darman sehen, dass sich der nicht die Abstiegszone ansah,
sondern sie auf seinem Datapad studierte. Es war lediglich eine Ansammlung
von Zahlen. Atin allerdings las eine Nachricht, und auch
wenn Darman nicht neugierig sein wollte, kam er nicht umhin zu bemerken,
dass sie von Laseema stammte, seiner Twi’ilek-Freundin und
das wirkte … bildend.
Man sagt, es seien die Stillen, die beobachtet werden wollen …
Darman versuchte, sich auf Gaftikar zu konzentrieren. Der Planet
sah aus, als wäre es dort ganz hübsch, selbst bei Nacht. Nicht so ein rotes,
staubiges Ödland wie Geonosis oder eine eisige Einöde wie Fest.
Aus dieser Höhe wirkte Eyat wie ein Mosaik aus beleuchteten Grünanlagen
und geraden, belebten Straßen, gesäumt von normalgroßen,
mit goldenem Licht gesprenkelten Häusern. Ein Fluss zog sich wie ein
schwarz glitzerndes Band durch die Landschaft. Es sah nach einem Ort
aus, an dem die Leute ein normales Leben führten und sich daran erfreuten.
Ganz und gar nicht nach Feindesland.
Darman klinkte sich in Fis Kanal ein, um zu sprechen, wurde aber
umgehend von der Lautstärke der Glimmikmusik betäubt. Das war Fis
Art, mit den Dingen klarzukommen: Eine solide Wand aus Lärm und
Gequake, die alles andere aussperrte. Darman klinkte sich wieder aus.
Der Lademeister schob seinen Visor herunter und legte eine Hand
auf die Kontrolltafel. „Okay, nicht vergessen – lasst euch einfach wie
bei einem normalen Gleitflug für ein paar Sekunden fallen und aktiviert
dann die Jets. Keinen Schwung geben. Wir öffnen in fünf … vier …“
„Ich würde ja lieber wissen, ob mein Jetpack auch funktioniert, solange
meine Stiefel noch das Deck berühren“, sagte Fi.
„… zwei … und … los.“
Die Frachtluke öffnete sich, und eine heftige Bö ließ Staub gegen
Darmans Visor prasseln. Die Karten zeigten jetzt dichten Wald. Der Lademeister
hatte eine Hand am Schalter zur Frachtfreisetzung, und er
wandte den Kopf der von der Kontrolltafel erzeugten Holokarte zu. Sie
zeigte offenes Gelände in ein paar Kilometern. Als die Conveyor es
überflog, stellte es sich als kurzes, trockenes Gras heraus. Darmans
Nachtsichtfilter zeigte es ganz deutlich.
„Ladung raus!“, rief der Lademeister und löste die Halteleinen. Die
Kisten rutschten eine nach der anderen über die Rampe und schwebten
an Gleitschirmen, die aussahen wie exotische, weiße Blüten, die
sich nachts öffneten, dem Planeten entgegen. Der letzte Container
schrumpfte unter ihnen zu einem kleinen Fleck und traf in einer Staubwolke
auf den Boden.
Das Schiff stieg etwas auf, sodass die Rampe eine ebene Plattform
bildete. „Nächster Halt, Omega. Und bleibt gesund, okay?“
Wie alle Commandos hatte Darman schon zig Absprünge hinter
sich. Er hätte nicht einmal sagen können, wie viele. Aber trotzdem
spürte er einen kurzen Adrenalinschub, als er zusah, wie Atin ruhig ans
Ende der Rampe ging und verschwand. Darman folgte ihm, seinen
DC-17 flach an die Brust gedrückt.
Eins, zwei, drei, vier Schritte und dann fünf – bei fünf befand sich
nichts mehr unter den Sohlen seiner Stiefel. Er fiel, und sein Magen
schien mit seinen Lungen zusammenzuprallen, sodass ihm einen Herzschlag
lang die Luft wegblieb. Er zählte bis drei und drückte den Startknopf
des Jetpacks an seinem Geschirr. Die Flügel schnellten aus dem
Gehäuse, und der Motor sprang an. Er fiel nicht länger. Er flog. Und die
leichte Vibration der Jets ließ seine Nebenhöhlen jucken. Das grün
leuchtende Bild von Gaftikars Heideland breitete sich unter ihm aus,
und wenn er den Kopf drehte, konnte er das schwache Hitzeprofil von
Atins Jets erkennen. Die Conveyor war fort. Die Kiste konnte besser
beschleunigen, als er gedacht hatte.
„Schau mal, Mutti“, meldete sich Fis körperlose Stimme über den
gesicherten Kanal. „Ohne Hände.“
„Du hast keine Mutti“, meinte Darman.
„Vielleicht adoptiert mich eine nette, alte Dame. Ich bin doch so liebenswert.“
Darman konnte die anderen jetzt nicht mehr sehen, lediglich ihre
Sicht-Icons auf dem HUD seines Helms. Die Schwadron teilte sich auf,
wobei jeder Mann einer anderen Flugbahn zum RV-Punkt folgte und
sich dabei so tief wie möglich über den Konturen der Landschaft hielt.
Der Plan bestand darin, im Laufschritt zu landen – buchstäblich – und
dann, sobald sich das Terrain veränderte, den Wald als Deckung zu
nutzen. Darman brachte die Landung nicht ganz so sauber hin, wie er
es erwartet hatte. Er machte einen Purzelbaum über eine Flügelspitze
und kam in einem niedrigen, verkümmerten Gebüsch zum Liegen.
Niner musste den Sturz über sein HUD verfolgt haben. „Kannst du
nicht ein Mal auf deinen Füßen landen, Dar?“
„Osik.“ Darman war mehr beschämt denn verletzt. Wenigstens
hatte er die Vegetation nicht in Brand gesteckt: Die Jets hatten sich
beim Aufprall abgeschaltet. Er rappelte sich auf und orientierte sich.
„Ich bin okay.“
Über ihre Sichtfelder auf dem HUD konnte er nicht erkennen, wo Fi
und Atin waren, aber er konnte sehen, dass sie sich schnell bewegten,
und ihre Transponder näherten sich als blaue Quadrate über die Karte
der Landezone den RV-Koordinaten, einem gelben Kreuz. Ihm wurde
klar, dass er noch fünfzig Meter zu rennen hatte – mit dem Jetpack,
dessen Flügel sich wie die eines Insekts zur Seite streckten.
„Alles klar.“ Niner grunzte, offenbar wand er sich gerade aus seinem
Geschirr. „Ab jetzt nur noch Kurzstrecken-Comms, Omega. Wo …“
„Wisst ihr, auf Urun Fünf würden euch die Einheimischen zur Dekoration
auf die Spitze eines Festbaums stecken.“
Eine unbekannte Stimme klinkte sich in Darmans Comm-Kanal ein.
Er konnte die Gestalt per Nachtsicht erkennen, ein schwacher Umriss,
der sich erst zu einer Gestalt formte, als er direkt vor ihm stand. Jetzt
konnte er auch sehen, wer es war: Ein Mann, der ziemlich genauso
aussah wie er, nur dass er, wie alle Nulls, etwas breiter und schwerer
war. Die Kaminoaner hatten am Anfang etwas arg mit dem Fett-
Genom herumgespielt. Darman fragte sich, wie viele Experimente sie
wohl durchgeführt hatten, bis die Mischung stimmte.
A’den, Null ARC N-12, packte ihn am Arm und bedeutete ihm mitzukommen.
Er trug derbe Arbeitskleidung: Keinen Helm, keine Panzer
und keinen typischen kiltähnlichen Kama. Darman hatte nicht erwartet,
ihn in Zivilklamotten anzutreffen.
Und als er sich seinen Weg durch das Unterholz bahnte und die
blöden Flügel verfluchte, die sich nicht mehr einziehen ließen, weil sich
bei seinem Absturz der Mechanismus verbogen hatte, hätte er genauso
wenig die kleinen, flinken Gestalten mit reflektierenden Augen und
DC-15-Gewehren erwartet, die plötzlich auftauchten.
Ja, das waren tatsächlich Echsen Echsen.
GAR Basis, Teklet, Qiilura, 470 Tage nach Geonosis,
Fristablauf für den Abzug menschlicher Kolonisten
Noch nie zuvor hatte General Etain Tur-Mukan das Gefühl gehabt, so
wenig ihrer täglichen Pflichten vollbracht zu haben. Aber sie würde es
schaffen. Sie musste.
Draußen vor dem Gebäude des Armeehauptquartiers – einem bescheidenen
Haus, das einmal einem trandoshanischen Sklavenhändler
gehört hatte, der längst zusammen mit dem Rest der separatistischen
Besatzungstruppen fort war – stand in grimmiger Stille eine Gruppe
von Bauern. An der Tür hielt Etain kurz inne und bereitete sich darauf
vor, hinauszutreten und vernünftig mit den Leuten zu reden.
Ihr müsst fortziehen.Wir haben eine Abmachung, erinnert ihr euch?
„Ich finde nicht, dass Sie das in die Hand nehmen sollten, Ma’am“,
sagte Levet, der Garnisonscommander. Er hatte seinen gelb gekennzeichneten
Helm unter den Arm geklemmt; ein fitter, glatt rasierter,
schwarzhaariger Mann Mitte zwanzig, der Darman so ähnlich sah, dass
es schon schmerzte. „Lassen Sie mich mit ihnen reden.“
Er war ein Klon wie Dar – haargenau wie Dar, haargenau wie jeder
andere Klon in der Großen Armee der Republik, nur dass ihm Dars beständige
Geduld und gute Laune fehlten. Er hatte die gleichen dunklen
Augen, die Etain einen Stich der Einsamkeit und der Sehnsucht versetzten,
erinnerten sie sie doch ständig daran, dass Dar sich … ja, wo
eigentlich aufhielt? Im Augenblick hatte sie keine Ahnung. Sie konnte
ihn durch die Macht spüren, wie sie es immerzu konnte, und er war
unversehrt. Mehr wusste sie nicht. Sie nahm sich vor, Ordo zu kontaktieren,
damit der überprüfte, wo Dar sich aufhielt.
„Ma’am“, sagte Levet etwas lauter. „Geht es Ihnen gut? Ich sagte,
ich übernehme das.“
Etain musste sich anstrengen, in Levets Gesicht nicht Darman zu
sehen. „Die Verantwortlichkeit des Ranges.“ Hinter sich hörte sie ein
schwaches, seidenweiches Rascheln, als würde sich ein Tier bewegen.
„Trotzdem danke.“
„Du musst vorsichtig sein“, sagte eine tiefe, fließende Stimme.
„Sonst müssen wir deinem fiesen, kleinen Sergeant gegenüber Rechenschaft
ablegen.“
Jinart streifte um Etains Beine. Das Gurlanin hatte seine wahre Gestalt
eines schlanken, schwarzen Raubtieres angenommen, aber als
Formwandlerin hätte sie sich ebenso gut in eine exakte Nachbildung
von Levet – oder Etain – verwandeln können.
Fieser, kleiner Sergeant. Sergeant Kal Skirata – klein, grimmig, zor-
nig – hatte sie für ein paar Monate hierher verbannt. Sie war bei ihm
in Ungnade gefallen. Jetzt, da sie bereits mehrere Monate schwanger
war, begann sie zu verstehen weshalb.
„Ich bin vorsichtig“, erwiderte Etain.
„Er macht mich für deine Sicherheit verantwortlich.“
„Du fürchtest dich vor ihm, nicht war?“
„Du auch, Mädchen.“
Etain zog sich behutsam ihre Robe zurecht, um die wachsende Wölbung
ihres Bauches zu verbergen, und warf sich noch einen weiten
Mantel über. Der Winter hielt Teklet in seiner Umklammerung, was ihr
als Entschuldigung für dicke, wallende Kleidung nur entgegen kam.
Aber auch ohne diese Extraschicht hätte sie nicht auffällig schwanger
ausgesehen. Sie fühlte es einfach, und sie war müde und allein.
Hier würde sowieso niemand danach fragen oder sich darum scheren,
wer der Vater war.
„Du hast keinen Grund, die Evakuierung persönlich zu beaufsichtigen“,
meinte Jinart. „Je weniger Leute dich sehen, desto besser. Fordere
das Schicksal nicht heraus.“
Etain ignorierte sie, und die Türen schwangen auf und ließen eine
schneedurchsetzte Bö kalter Luft in die Lobby. Jinart schoss wie ein
Sandpanther an ihr vorbei und sprang durch das Gestöber.
„Wahnsinn“, zischte das Gurlanin und bewegte sich in fließenden
Sprüngen voran. „Du hast ein Kind, auf das du achten musst.“
„Mein Sohn“, erwiderte Etain, „ist wohlauf. Und ich bin nicht krank,
ich bin schwanger.“
Sie schuldete es ihren Truppen. Sie schuldete es ihnen genauso wie
Darman, RC-1136, dessen letzter Brief – ein echter Brief, in präziser,
disziplinierter Handschrift auf Flimsi geschrieben, mit Klatsch über seine
Schwadron und über das Verlangen nach etwas Zeit mit ihr – häufiges
Lesen und Falten ertragen musste und sorgsam in ihrer Tunika,
nicht ihrem Gürtel, steckte. Der Schnee knirschte unter ihren Füßen,
während sie zu der Straße stiefelte, die der ständige Verkehr in die
Schneedecke gerieben hatte. Es war ein prächtiger, sonniger Tag, blendend
hell, ideal für einen Spaziergang, wäre dies ein normales Leben
gewesen und sie eine gewöhnliche Frau.